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Eintrag vom 24.11.2017

Riesige Unterschiede bei der Altersvorsorge

 
Vorsorgefonds: Im Alter machen sich geringere Gebühren bezahlt. Foto: Getty

Vorsorgefonds: Im Alter macht sich bezahlt, wenn man auf geringe Gebühren gesetzt hat. Foto: Getty

Man hört immer, man solle wegen der Steuern in die 3. Säule zahlen. Aber die Zinsen sind fast null, und wenn ich Fonds nehme, dann zahle ich hohe Gebühren. Soll ich nicht einfach selbst sparen statt in der 3. Säule? N. S.

Die hohen Gebühren, welche den Vorsorgefonds belastet werden, sind in der Tat ein Ärgernis. Insbesondere wenn man eine sehr konservative Strategie bei einem Vorsorgevehikel wählt, das praktisch nur auf Anleihen setzt, bleibt nach Gebühren oft nichts mehr übrig, oder man legt sogar drauf. Anders als im Lebensmittel-Detailhandel, wo Herr und Frau Schweizer mehrheitlich recht preisbewusst sind und Anbieter mit günstigen Preisen bevorzugen, schauen viele beim Kauf von Vorsorgefonds nicht aufs Preisschild.

Dabei schenken gerade bei der langfristig ausgerichteten Säule 3a Gebührenunterschiede ein. Wenn man 100’000 Franken in Vorsorgefonds hält, macht es über 20 Jahre hinweg viel aus, ob man 0,5 Prozent mehr oder weniger Gebühren abliefern muss. Wenn man über die Zeitspanne von 20 Jahren eine Rendite von 2 Prozent nach Gebühren erreicht, hat man rund 149’000 Franken auf dem Konto. Wer indes nach Gebühren nur 1,5 Prozent erzielt, erhält 14’000 Franken weniger.

Zu den Kritikern der hohen Gebühren in der 3. Säule gehört Hermann J. Stern, Chef der Beratungsfirma Obermatt: «Bei Banken und Versicherungen verschwinden die 3a-Erträge irgendwo in der Bank oder im Versicherungskonzern. Dem Sparer bleiben die viel zu hohen Kosten.» Der Sparer sitze im Säule-3a-Gefängnis. «Die Schuldigen sind nicht einmal die 3a-Anbieter, sondern das Gesetz selbst, welches derart viel Bürokratie aufgebaut hat.»

Natürlich kann man argumentieren, dass man in der freien Vorsorge mittels günstigerer Exchange Traded Funds durchaus eine gute Rendite erzielen kann und frei von gesetzlichen Einschränkungen ist. Allerdings eignet sich diese Form meines Erachtens längst nicht für jeden Privatanleger. Zudem kann man im Rahmen der freien Vorsorge nicht von Steuervorteilen profitieren, die keineswegs unerheblich sind. Wer etwa in der Stadt Zürich als Alleinstehender mit einem steuerbaren Einkommen von 100’000 Franken den Maximalbetrag von 6768 Franken in die Säule 3a einzahlt, spart so rund 1850 Franken Steuern. Über 20 Jahre hinweg führt die Steuerminderung zu einem Vorteil von 37’000 Franken. Selbst wenn man bedenkt, dass das Vermögen beim Bezug versteuert werden muss, bleibt ein Grossteil des Steuervorteils bestehen, da das Vorsorgekapital zu einem reduzierten Satz besteuert wird.

Die Kritik an den hohen Gebühren der meisten Vorsorgefonds halte ich für berechtigt. Das heisst für mich aber nicht, dass man auf die steuerbegünstigte Säule 3a und Vorsorgefonds verzichten soll. Vielmehr muss man vor einem Fondskauf aufs Preisschild schauen und achtgeben, dass man nicht die teuersten Vehikel ins Depot nimmt, die allenfalls auch noch happige Ausgabe- und Rücknahmegebühren verrechnen.

Dass es anders geht, zeigen einzelne Fondsanbieter, die passiv geführte Fonds mit deutlich geringeren Kosten anbieten. Zu diesen zählt etwa die zur Zürcher Kantonalbank gehörende Swisscanto. Deren Swisscanto Fonds 75 passiv, Swisscanto Fonds 45 passiv, Swisscanto Fonds 20 passiv liegen mit einer Gesamtkosten-Kennziffer TER von 0,42 Prozent deutlich unter dem Durchschnitt. Weitere Möglichkeiten, um Gebühren bei Vorsorgefonds zu sparen, bietet die unabhängige Vermögensplattform Liberty, die institutionelle Fondstranchen von Anbietern wie UBS, CS oder ZKB auch privaten Anlegern zugänglich macht. Diese sind gebührenmässig deutlich günstiger als klassische Vorsorgefonds und liegen in der Regel klar unter einem Prozent.

Zu Recht mag man einwenden, dass die Gebühren nur die eine Seite der Medaille sind. Es nützt einem nichts, wenn man einen günstigen Fonds hat, dieser aber bei der Anlageperformance floppt. Performancevergleiche belegen allerdings immer wieder, dass hohe Gebühren keine Garantie für eine hohe Performance sind. Oft schneiden passiv verwaltete Fonds ebensogut ab wie aktiv gemanagte Vehikel.

Kunden haben durchaus eine Wahl

Der Ärger über hohe Gebühren bei vielen Vorsorgefonds sollte nicht dazu führen, dass man das Kind mit dem Bade ausschüttet und auf die steuerbegünstigte Säule 3a verzichtet. Vielmehr würde ich die Steuervorteile der 3. Säule nutzen und jährlich nach Möglichkeit den Maximalbeitrag einzahlen, das Kapital aber konsequent nur in passiv verwaltete, kostengünstige Vorsorgefonds oder institutionelle Tranchen mit tiefen Gebühren investieren. Je mehr Anbieter wie Swisscanto mit ihren passiven Vorsorgevehikeln Erfolg haben, desto mehr wächst der Druck auf Konkurrenten, ihre Gebühren zu überdenken. Wie im Detailhandel hat man auch bei Vorsorgefonds durchaus die Wahl und kann qualitativ gute Produkte einkaufen, die bis zur Hälfte oder mehr günstiger sind.

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