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Eintrag vom 25.08.2015

Wer gut anlegt, kann Krisentage getrost aussitzen

Es ist gar nicht so schwer, Krisentage an der Börse zu überstehen. Experten warnen vor zu viel Aktivismus. Worauf es ankommt, ist ein passendes strategisches Konzept.
 
Harte Tage an der Börse kosten Nerven und Geld. Das gilt besonders dann, wenn ein Vermögen zu einseitig strukturiert ist. Wer dieses etwa ausschließlich in Aktien angelegt hat, konnte ihm am Montag beim Dahinschmelzen zusehen. Die klassische Empfehlung, um sich vor solchen Entwicklungen zu schützen, lautet: Streuen, Diversifikation im Geldanlagedeutsch. Doch an Tagen wie dem Montag ist damit auch nicht geholfen. „An solchen Krisentagen wie den jüngsten fällt alles, da können Sie diversifizieren, wie Sie wollen“, sagt Detlef Kohlhase vom Vermögensverwalter Dr. Kohlhase. Das liege aktuell auch daran, dass angesichts von Nullzinsen und negativen Anleiherenditen eine Umschichtung kaum sinnvoll sei, ergänzt Stefan Freytag, Vorstand beim Vermögensverwalter Deutsche Oppenheim Family Office. So sank die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe am Montag minimal von 0,58 auf 0,51 Prozent. „Hier helfen nur noch Cash und Absicherungen“, sagt Freytag.
Gerade die Versuche von Anlegern, ihr Portfolio mittels vermeintlich effizienter Instrumente wie Indexfonds zu schützen, scheint an diesen Tagen nach hinten loszugehen. Denn diese laufen mit den Märkten mit. „Wenn nur noch Computer Orders ausführen und dahinter kein Sachverstand mehr steht, funktionieren Märkte nicht mehr. Da wird Effizienz zur Ineffizienz“, sagt Freytag. Letztlich seien mittel- und langfristig agierende Anleger diesen Märkten ziemlich ausgeliefert. Der nächste Fehler sei es, dann panisch mitschwimmen zu wollen und an Ausverkauftagen nicht die Nerven zu behalten.
Dass eine Branchendiversifikation nicht funktioniert, zeigte sich am Montag. Eigentlich sollten sich die Kurse von Aktien aus Branchen wie der Versorgungs-, der Nahrungsmittel- oder der Gesundheitsbranche besser behaupten als andere. Doch am Montag verlor unter den Branchenindizes des C-Dax mit 8,7 Prozent ausgerechnet der Index der Versorgungsunternehmen am stärksten, wogegen sich ausgerechnet der Index der zyklischen Konsumgüter mit einem Verlust von 2,6 Prozent am besten schlug. „Für die Tagesergebnisse gibt es keine Erklärungen“, sagt Freytag. „Warum ausgerechnet Eon, das mit China und der Weltkonjunktur wenig zu tun hat, fast neun Prozent abgibt, ist nicht rational begründbar. Das sind irgendwelche Orders irgendwelcher Risikomanager.“ Fachleute sprechen in solchen Zeiten auch vom „Correlation-Break-Down“ – in ihrer Wertentwicklung eigentlich voneinander unabhängige Vermögenswerte entwickeln sich plötzlich in die gleiche Richtung, nach unten.
Nichtsdestoweniger ist Diversifikation auch mit Blick auf turbulente Börsentage sinnvoll. „Wer ein gut diversifiziertes Portfolio hat, der sollte an solchen Tagen abschalten und sich mit etwas anderem als der Börse beschäftigen“, sagt Kohlhase. Wer dagegen ein reines Aktiendepot habe, der könne dann nicht schlafen. Die Rechnung ist simpel: Wer nur auf Aktien setzt, wurde am Montag um 4,5 Prozent ärmer. Wer dagegen zur Hälfte etwa in den deutschen Rentenindex Rex investiert hatte, nur um 2,25 Prozent.
Freytag setzt vor allem auf die disziplinierende Wirkung einer strategischen Vermögensallokation. Wer etwa vor drei Jahren mit einem Portfolio gestartet sei, das zur Hälfte aus Aktien und zur Hälfte aus Anleihen bestand, sah sich aktuell eher einer Gewichtung von 70 Prozent Aktien und 30 Prozent Anleihen gegenüber und damit einem deutlich höheren Risiko als beabsichtigt. „Wer aber seine strategische Aufstellung regelmäßig korrigiert, macht jedenfalls eines richtig: Er verkauft zu steigenden Kursen.“ Wer einen solchen Ansatz nach festen Regeln diszipliniert verfolge, verringere auch die Wahrscheinlichkeit, emotional begründete Fehler zu begehen – einfach gesagt: Gewinne laufen zu lassen, bis keine mehr da sind.
Die Frage, wie ein solches strategisches „Rebalancing“ zu betreiben ist, sei allerdings nicht so einfach zu beantworten, sagt Freytag. Es gebe keine allgemeingültige Regel, in welchen zeitlichen Abständen oder bei welcher Abweichung man ein Portfolio adjustieren sollte. Sinnvoll seien jedenfalls feste Regeln. Anfangen könne man allerdings schon jetzt. „Wer etwa statt bei einer angestrebten hälftigen Aufteilung jetzt bei 40 Prozent Aktien liegt, der kann gerade jetzt umschichten. Wir haben ein durchschnittliches Kurs-Gewinn-Verhältnis von elf und vernünftige Dividendenrenditen. Das ist kein schlechter Zeitpunkt.“
Kohlhase hält es sogar für möglich, ohne Adjustieren auszukommen. „Auf der Rentenseite 50 Titel, dabei nicht nur die schlechten Staats- und die guten Unternehmensanleihen halten, 20 bis 30 Titel auf der Aktienseite und die Währungsseite nicht vergessen“, skizziert er ein Grundkonzept. Das sei unter Zuhilfenahme von Fonds auch für Privatanleger machbar. Denn grundsätzlich gelte die alte Börsenweisheit: Hin und Her macht die Taschen leer. Auch Absicherungen seien mit Vorsicht zu genießen. „Da muss man sich auskennen. Und die beste Absicherung ist immer noch ein Verkauf.“

http://www.faz.net/aktuell/finanzen/fonds-mehr/wer-gut-diversifiziert-kann-krisentage-getrost-aussitzen-13768478.html

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