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Eintrag vom 07.02.2018

Sortieren Sie schlechte Fonds aus

In der Schweiz sind über 9000 Anlagefonds ­zugelassen. Viele ­bescheren den Investoren enttäuschende Renditen. K-Geld nennt konkrete ­Beispiele und zeigt, wie man bessere Fonds findet.

Schlechte Fonds aussortieren (Bild: GettyImages/Montage)

Schlechte Fonds aussortieren (Bild: GettyImages/Montage)

Beispiel 1: BCV Systematic Premia CHF Bonds (ISIN CH0223804409)

Neues hat immer einen besonderen Reiz. Die Versuchung, einen frisch aufgelegten Fonds zu kaufen, ist besonders gross, wenn er mit ­einer überdurchschnittlichen Rendite lockt. Wie etwa der Systematic Premia CHF Bonds der Waadt­länder Kantonalbank (BCV). Er investiert in Franken-Obligationen und möchte mit einer gezielten Auswahl besser sein als der Vergleichsmassstab, der Index SBI ­Total AAA–BBB. Der Swiss-Bond- Index gibt mit rund 1300 Titeln den breiten Markt für Franken-­Obligationen wieder.

Doch seit seiner Lancierung Ende Januar 2014 ging es mit dem Fonds vor allem abwärts: Er verlor über 4 Prozent an Wert. In der ­gleichen Zeitspanne stieg der ­Ver­­gleichs­­index. Wer einen entsprechenden Indexfonds wie den Pictet Bonds Tracker hatte, machte 8 Prozent vorwärts (Grafik im PDF). Dieser Indexfonds kostet mit 0,3 Prozent pro Jahr nicht mal halb so viel wie der Fonds der BCV.

Tipp: Von Fonds ohne lang­jährigen Erfolgsausweis sollte man die Finger lassen. Ausnahme: Neue Fonds, die einem altbekannten Index folgen, tiefe Kosten haben und von einer grossen, bekannten Fondsgesellschaft stammen.

Beispiel 2: Swisscanto Equity Fund Global Climate Invest (LU0275317336)

Gutes tun und eine hervor­ragende Rendite erzielen: Diesem Ziel hat sich der Swisscanto-Fonds verschrieben. Er investiere «vorwiegend in Aktien von Unternehmen, die einen Beitrag zur Reduktion des Klimawandels oder dessen Folgewirkungen leisten». Gleichzeitig eröffne er die Chance, langfristig den Vergleichsindex zu übertreffen: den MSCI World. Dieser gibt die Wert­entwicklung von rund 1600 Aktien aus 23 Industrie­ländern wieder.

Die Fondsmanager kassieren 1,45 Prozent Verwaltungsgebühr pro Jahr, die wie üblich dem Fondsvermögen entnommen werden. Weitere Ausgaben treiben die Totalkosten auf 1,85 Prozent pro Jahr. 

Doch der Fonds verlor in den letzten zehn Jahren über 50 Pro­zent an Wert, während der Ver­gleichs­index zulegte. Ein entsprechender Indexfonds wie der iShares MSCI World (Kosten 0,5 Prozent/Jahr) ­erzielte ein Plus von 38 Prozent. Differenz zum Swisscanto-Fonds: rund 90 Prozentpunkte (Grafik im PDF).

Tipp: Themenfonds wie dieser von Swisscanto bieten im Vergleich zu einem breiten Investment höhere Chancen, aber auch höhere Risiken. Wenn sich das Thema breit durchsetzt und die Fondsmanager eine gute Nase haben, heimsen die Anleger hervorragende Renditen ein. Im umgekehrten Fall setzt es besonders schmerzhafte Verluste ab.

Beispiel 3: UBS Equity US Opportunity (LU0070848113)

Der Aktienmarkt der USA ist hart umkämpft. Eine Heerschar von Analysten nimmt die Unternehmen unter die Lupe. Sich einen Wissensvorsprung zu erarbeiten ist schwierig bis unmöglich. 

Auch die Fondsmanager des UBS Equity Sicav US Opportunity haben es versucht – und scheiterten. Dabei sind die dem Fonds ver­rechneten Kosten von jährlich 2,1 Prozent sehr hoch. Seine 10-­Jahres-Rendite: nur 24 Prozent. Vergleichbare Indexfonds legten rund 80 Prozent zu. Beispiel: Der UBS MSCI USA ETF verzeichnete im gleichen Zeitraum ein Plus von rund 87 Prozent und kostet bloss 0,14 Prozent (Grafik im PDF).

Trotzdem schwärmen die Fonds-Verantwortlichen des UBS Equity US Opportunity in den ­Produktinformationen von einer «überzeugenden aktiven Titel­auswahl». Und Investoren könnten vom «Research» der Bank «höchst effektiv» profitieren.

Tipp: Anleger sollten sich nicht nur bei diesem, sondern bei allen Fonds nicht von Selbstlob und ­Eigenwerbung blenden lassen.

Beispiel 4a: Konservativer Mischfonds Raiffeisen Global Invest Yield CHF (LU0076548634)

Das ist ein defensiver, speziell auf Anleger mit geringer Risikoneigung zugeschnittener Mischfonds. Er investiert vor allem in Obligationen, Aktien machen nur rund 20 Prozent des Fondsvermögens aus. Dieser Raiffeisen-Fonds ist weltweit ausgerichtet, trotzdem entfallen vier Fünftel des Fondsvermögens auf den Franken. Laufende Kosten: 1,28 Prozent pro Jahr.

Seit der Lancierung im Mai 1995 erzielte der Fonds bloss eine Gesamtrendite von 40 Prozent. Vergleichbare, reine Indexfonds gibt es nicht. Fonds, die überwiegend Indizes folgen, aber schon: Der ­Avadis Defensiv mit einer Aktienquote von 20 Prozent zum Beispiel holte in der gleichen Zeitspanne über 80 Prozent heraus (Grafik). Zu ­seinen laufenden Kosten von 0,57 Pro­zent pro Jahr kommen ­keine weiteren Gebühren. Käufe und Verkäufe sowie die Depot­führung sind für Anleger kostenlos.

Beispiel 4b: Konservativer Mischfonds Credit Suisse Portfolio Fund Yield (LU0078042610) 

Auch das ist ein eher defensiver Misch­fonds, zugeschnitten auf ­Anleger mit geringer bis mittlerer Risikoneigung. Der Grossteil der Anlagen entfällt auf Obligationen, Aktien machen nur 15 bis 35 Prozent aus. Obwohl weltweit tätig, ist der Franken die Hauptwährung. Laufende Kosten: 1,46 Prozent.

In den vergangenen zehn Jahren erzielte dieser Credit-Suisse-Fonds eine Gesamt­rendite von bloss etwa 7 Prozent. Vergleichbare, reine Indexfonds gibt es auch für ihn nicht. Aber es gibt Fonds, die über­wiegend In­dizes folgen: Der bereits erwähnte kostengünstige Avadis Defensiv mit ­einer Aktienquote von 20 Prozent holte in der gleichen Zeitspanne insgesamt 30 Prozent heraus. Etwa in der gleichen Grössenordnung rentierte der Pictet LPP-25 mit ­einer Aktienquote von 25 Prozent (Grafik im PDF).

Tipp: Mischfonds sind für Kleinanleger besonders gut geeignet. Sie streuen das Geld nicht nur über ­viele Titel einer einzigen Anlageklasse wie Aktien oder Obliga­tionen, sondern oft über zwei und mehr Anlagegebiete. Investoren sind auch mit kleinen Summen breit investiert. Doch wenn die Rendite nicht stimmt, ist der Vorteil dahin. Anleger sollten immer abklären, ob es zu den Mischfonds der eigenen Bank bessere Angebote anderer Fonds­anbieter gibt.

Beispiel 5: Swiss Life Real Estate Switzerland Fund of Funds (CH0130611400)

Auch bei Fonds von Versicherun­gen sollte man näher hinschauen. Der Real Estate Switzerland Fund of Funds von Swiss Life kauft mit dem Geld der Anleger Anteile an Schweizer Immobilienfonds, die an der Börse kotiert sind. Allein die Verwaltungsgebühr beläuft sich auf ­satte 0,9 Prozent. Gesamte laufende Kosten: 1,65 Prozent pro Jahr.

Seit der Herausgabe Ende November 2011 erzielte dieser Fonds eine Gesamtrendite von 31 Prozent. Auf den ersten Blick ist das gut. Tatsächlich hielt er bis Anfang 2015 in etwa Schritt mit dem Marktdurchschnitt. Doch dann stagnierte er beinahe, obwohl es mit den Immobilienfonds weiter aufwärts ging. Seit Anfang 2015 verlor er rund 10 Prozent auf den Indexfonds für das gleiche Anlagegebiet – auf den UBS ETF SXI Real Estate Funds zu (Grafik). Dessen Betriebskosten sind nur etwa halb so hoch wie jene des Swiss-Life-Fonds. 

Tipp: Aktiv gemanagte Fonds halten sich während einer gewissen Zeit oft gut bis sehr gut, doch dann lassen sie stark nach. Kommt dazu: Sogenannte Fund of Funds wie dieses Swiss-Life-Produkt kaufen Wertschriften wie Obligationen, Aktien usw. nicht direkt, sondern stecken das Geld in andere Fonds. Damit entstehen Kosten gleich auf zwei Stufen. Meist sind Fund of Funds deshalb zu teuer.

Tipps: Der richtige Umgang mit Anlagefonds

1. Überprüfen Sie die Fonds in Ihrem ­Depot mindestens einmal im Jahr: Gibt es bessere Alternativen? 

2. Die meisten Banken und Ver­mögensverwalter weisen von sich aus ungern auf gute Alternativen hin. Mit wenig Aufwand finden Sie die ­nötigen Infos im Internet selber. Die beste ­Adresse: www.morningstar.ch.

3. Geben Sie auf der Morningstar- Hauptseite oben die ISIN-Nummer oder den Valor Ihres Fonds ein. 

Ein Klick auf «Chart» zeigt die Wert­entwicklung seit Lancierung bis zur Gegenwart. Dort können Sie nun zum  Vergleich andere Fonds eintippen. Wobei ein einzelnes Jahr wenig Aussagekraft hat. Vergleichen Sie die Renditen wenn möglich über fünf, zehn Jahre oder noch länger zurück.

4. Besitzen Sie aktiv verwaltete Fonds, sollten Sie diese in erster ­Linie mit Indexfonds für das ­gleiche Anlagegebiet vergleichen. ­Aktiv verwaltete Fonds rentieren auf die Länge meist schlechter als entsprechende Indexfonds. Index­fonds finden Sie so: ­Morningstar.ch ] Tools ] ETF ­Quickrank ] Morningstar Kategorien und das Anlagegebiet Ihres Fonds anklicken. Wählen Sie nun für den ­Vergleich im Chart (siehe Punkt 3) ­Indexfonds aus, die einem breiten, gängigen Index folgen. Indexbeispiele für Aktienfonds: SLI, MSCI Europe, S & P 500, MSCI World.

5. Für Mischfonds gibt es für Anleger mit Heimatwährung Franken keine Indexfonds, aber indexnah ge­führte Fonds. 

Möchten Sie zum ­Vergleich aktiv ­verwaltete ­­Mischfonds  heran­ziehen, gehen Sie ­folgendermassen vor: Morningstar.ch ] Tools ] Fonds Quickrank ] Morningstar ­Kategorien ]  Mischfonds CHF ­(defensiv, ­ausgewogen oder ­aggressiv). Ein Klick auf Performance und «10J p.a.» zeigt Ihnen die ­l­angfristig erfolgreichsten Mischfonds.


https://www.ktipp.ch/artikel/d/sortieren-sie-schlechte-fonds-aus/

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