Home »
Eintrag vom 29.08.2019

Bei der Beratung zu nachhaltigen Anlagen versagt die Finanzbranche

Viele Anleger würden gerne mehr Gelder nachhaltig investieren. Das scheitert ausgerechnet an jenen, die sich darüber freuen müssten – den Banken und Vermögensverwaltern.
 
NZZ Michael Schäfer
 

Immer mehr Hitzewellen in den hiesigen Breiten, Waldbrände von Sibirien bis Brasilien oder die schmelzenden Eisdecken an den Erdpolen. Nie zuvor hat das Thema Klimawandel so viele Menschen bewegt, wie es derzeit der Fall ist, und auch die Bereitschaft, etwas dagegen zu unternehmen, scheint zu steigen. Diese Bereitschaft manifestiert sich unter anderem darin, dass immer mehr Anleger ihr Geld unter nachhaltigen Gesichtspunkten investieren wollen – Umweltverträglichkeit ist hier einer von mehreren Aspekten. Allerdings klaffen Wunsch und Realität noch weit auseinander.

Institutionelle Investoren sind den Privaten voraus

In den Portfolios von Privatanlegern finden sich beispielsweise deutlich weniger nachhaltige Anlagen als in jenen von institutionellen Investoren wie Pensionskassen oder Versicherungen. Eine von Vontobel Asset Management (VAM) durchgeführte Erhebung liefert nun Erklärungen, warum dem so ist. So viel vorab: Die Finanzbranche trägt eine Mitschuld.

Mit grosser Regelmässigkeit geben Privatanleger an, bei der Anlage ihres Vermögens nachhaltige Aspekte berücksichtigen zu wollen. Oft wird hier von den sogenannten ESG-Kriterien gesprochen. Sie umfassen Umweltthemen («Environmental») wie CO2-Emissionen oder das Abfallaufkommen, soziale Themen («Social») wie die Arbeitsbedingungen oder die Einhaltung von Menschenrechten sowie die Fragen der guten Unternehmensführung («Governance»), wie die Besetzung der Führungsgremien oder das Vergütungssystem.

Privatanleger würden gern mehr Gelder nachhaltig investieren

In der bei 4600 Personen in 14 Ländern (darunter rund 500 in der Schweiz) durchgeführten VAM-Studie gaben viele an, ihr Vermögen nachhaltig anlegen zu wollen. Allerdings war gut der Hälfte der Befragten nicht bewusst, dass man überhaupt auf diese Art und Weise investieren kann. Lediglich ein knappes Drittel der Teilnehmer legt einen Teil ihres Vermögens (durchschnittlich ebenfalls ein knappes Drittel) nachhaltig an. Unter dem Strich sind damit nur 9% des Vermögens der Befragten nachhaltig investiert. Laut der Studie wäre das Interesse aber deutlich höher – die Antwortenden wären bereit, die Hälfte ihres Vermögens nachhaltig anzulegen.

Die Untersuchung benennt auch einen Hauptgrund, warum der tatsächliche Wert so stark dem Wunsch hinterherhinkt: Nur wenige Kunden werden von ihrem Berater auf das Thema angesprochen. Im internationalen Schnitt war das nur bei 17% der Befragten der Fall. In der Schweiz, wo sich der Finanzplatz im Bereich nachhaltige Anlagen als führend sieht, waren es gar nur 12%. Und das, obwohl es hierzulande schon seit Jahren kaum eine Bank gibt, die das Thema nicht in irgendeiner Form forciert.

Viele verwirrende Fachbegriffe

Diese doch überraschende Erkenntnis hat anscheinend eine einfache Erklärung: Anlageberater umschiffen die Thematik nachhaltiges Anlegen mehrheitlich, weil sie sich diesbezüglich selbst unsicher sind. Und die Unsicherheit ist in gewisser Weise nachvollziehbar: Es gebe zu viele Terminologien, die zur Verwirrung führten, lautet eine Erkenntnis der Studie. Häufig wüssten Berater und vor allem Kunden nicht, was sich hinter den vielen Fachbegriffen verbirgt. Gemeint sind damit unter anderem die zahlreichen nachhaltigen Anlagestrategien wie «Best-in-Class», «Engagement» oder «Integration».

Dennoch stellt sich die Frage, warum Banken und Vermögensverwalter, die ja nicht gerade bekannt dafür sind, absichtlich Geld auf der Strasse liegen zu lassen, sich anscheinend mit der jetzigen Situation zufrieden geben. Die Vermutung liegt nahe, dass vielerorts zwar ein Angebot an nachhaltigen Anlagen für jene Kunden in der Schublade liegt, die solche aktiv fordern. Bei anderen Privatkunden ist man jedoch eher zurückhaltend. Mit nachhaltigen Anlagen verdient man nämlich nicht substanziell mehr, die damit verbundenen Kosten sind aber erst einmal höher, etwa in Form von Schulungen für die Anlageberater und längeren Kundengesprächen.

Nachhaltige Anlagen werden auch in der Altersvorsorge gewünscht

Glaubt man der Studie, werden die Finanzdienstleister aber je länger, je mehr nicht umhinkommen, ernsthaft an den Defiziten zu arbeiten. Schon heute fordern 69% der wohlhabenden Kunden mehr Informationen zu nachhaltigen Anlagen. Das Interesse ist dabei vor allem bei den Jüngeren gross, also jenen Kunden, die künftig einen wachsenden Beitrag zu den Gewinnen der Banken liefern sollen. Und das zunehmende Interesse an nachhaltigen Anlagen endet nicht beim eigenen Vermögen – fast die Hälfte der Schweizer Antwortenden wünscht sich, auch bei ihrer Pensionskasse zwischen konventionellen und nachhaltigen Anlagen wählen zu können.

https://www.nzz.ch/finanzen/nachhaltige-anlagen-banken-versagen-bei-der-beratung-ld.1504554

»Weitere News aus 2019

Postanschrift

Obere Bahnhofstrasse 49
CH-9500 Wil
Schweiz

Telefon & E-Mail

T: +41 (0)71 911 80 80
M: +41 (0)79 427 99 89
E: info@fogelgmbh.ch

Newsletter kostenlos per E-Mail

Abonnieren Sie unseren Newsletter und erhalten Sie von uns quartalsweise ausgewählte Informationen.

CMS Mosaic